saca tus vacaciones del armario

Für

MASPALOMAS OHNE KOMPLEXE

Marcos Udón

4 August, 2015

 

Eine Reise hin und zurück

38

„Was macht bloß ein Typ wie du auf dem Weg zu einem Ort wie diesem?“, war die Frage, die ich mir während des Flugs nach Gran Canaria immer wieder stellte.

Die Betonung lag natürlich bei „wie ich“: Stadtmensch durch und durch, überhaupt kein Strandtyp und ohne die geringste Neigung zur körperlichen Betätigung. Meine Freunde haben mich fast wörtlich gesprochen vom Sofa gezogen, unter dem Vorwand, die Ferien zusammen zu verbringen. Gruppenzwang nennt man das wohl.

Also hab‘ ich meinen Koffer gepackt und meine Vorurteile gleich mit dazu. Die Komplexe hab‘ ich natürlich mit eingepackt. Denn als ich gemerkt habe, dass es kein Zurück mehr gab, kam die Unsicherheit hoch. Wie sollte sich einer wie ich wie ein gestrandeter Albinowal gegenüber von den Knackigsten des internationalen Schwulentourismus in den Sand legen?

Also, ich hab’s getan. Und wie ich’s getan hab‘.

In der „gay-freundlichen“ Bungalowanlage, in der wir untergebracht waren, konnte ich schon mal üben. Jener segensreiche Pool war die Bühne für meinen ersten Auftritt in der Gesellschaft. Obwohl, eigentlich war es ja eher das genaue Gegenteil, denn ich war nackt. Am Ende fühlte ich mich in dieser gemütlichen und abgeschirmten Umgebung superwohl, mit meinen Freunden und den Nachbarn, beim Musikhören und Speisen wie ein König.

Die Feuerprobe kam beim ersten Ausflug zum Strand von Maspalomas. Ganz wohl war mir nicht, als wir die Sicherheit der Liege verließen und uns auf unbekanntes Terrain begaben.

Wir sind vom festen Boden der Strandpromenade in den Sand gesprungen und haben die ersten Liegen und das Flair des Familienstrands hinter uns gelassen. Links von uns zeigten sich die berühmten Dünen von Maspalomas genauso ungastlich wie die von Tatooine. Später würde noch genug Zeit bleiben, um sie zu erforschen. Alles zu seiner Zeit. Wir sind weitergegangen und auf die ersten nackten Urlauber getroffen, mit ihren sich in der Sonne rötenden Körpern, ohne die Spur von Komplexen. Und wenn die keine hatten, warum sollte ich dann welche haben?

Unser Ziel lag etwas weiter entfernt, gekennzeichnet mit einer Regenbogenfahne über dem Kiosk Nummer 7. Wir sind ohne Zwischenfälle dort angekommen. Der Boden ist nicht unter meinen Füßen aufgegangen und ich wurde auch nicht hochkant wieder rausgeworfen oder von einer Horde umringt, die sich über meine Speckfalten lustig machte.

An jenem Tag, nachdem ich etwas so banales und äußerst spezielles wie sechs Stunden lang nackt auf einer Liege zu liegen, gemacht habe, kam ich tanzend nach Hause, den neuesten Pop-Ohrwurm, der aus den Kopfhörern in meine Ohren dröhnte, mitsummend und mich im Rhythmus des Schaukelns der Wellen bewegend, wobei ich das Gefühl des nassen Sandes unter meinen Füßen und das kalte Wasser, das mir bis zu den Waden reichte, genoss.

Nach jenem ersten Mal bin ich natürlich wieder nach Maspalomas zurückgekommen. Mit einem Unterschied, jetzt tanze ich nicht nur auf Rückweg vom Kiosk, sondern schon auf dem Hinweg.

Artikel bewerten:
5 (100%) 1 vote

Keine Kommentare

Por favor, ten en cuenta que tu comentario no se publicará si contiene palabras ofensivas o de mal gusto que atenten contra la diginidad y los derechos de las personas. Te pedimos que realices la siguiente operación para comprobar que no eres un robot. Gracias por participar :-)

* Por favor, rellena todos los campos.

Utilizamos cookies propias o de terceros para mejorar nuestros servicios, mediante el análisis de sus hábitos de navegación. Si continúa navegando sin cambiar la configuración, consideramos que acepta el uso de cookies de nuestro sitio. Puede obtener más información, o bien conocer como cambiar la configuración, en nuestra Informació—n legal.

Akzeptieren
Upload Image