saca tus vacaciones del armario

Für

WAS AUF GRAN CANARIA GESCHIEHT, BLEIBT AUF GRAN CANARIA

Lobo

5 Juni, 2014

 

 

Cabalgata Gay Pride Maspalomas 2014

Pedro ist 34 Jahre alt. Er ist Kellner in der von seiner Familie betriebenen Bar in einer Kleinstadt an der Mittelmeerküste. Er sprach mit seinen Freunden und outete sich 2013, aber er führt ein ziemlich diskretes Leben. Wie bei so vielen anderen, war seine erste Begegnung mit der Gay-Welt die Pride, die überschäumende Tuntigkeit und der Überfluss an Glitzerstaub und bunten Farben, die jeden Frühling im Fernsehen kurz aufblühen. Und ja! Jedes Jahr im Frühling überkam ihn die gleiche Allergie. Nie zuvor  hatte er es anders erlebt, nie zuvor hatte er den tieferen Sinn erfasst.

Vorige Woche war Pedro in Las Palmas de Gran Canaria, wo er bei Verwandten zu Besuch war. Am Samstag erzählten seine Cousine und ihr Freund, dass sie sich darauf freuten, „zur Pride runter zu fahren“.

 “Zur waaas runter fahren?”

“Zur Maspalomas Pride!!! Zur stolzen Gayparade in Maspalomas, mein süsser Junger!“ Pedro war zu Tode verblüfft.

 „Aber… was um Gottes Willen hast du denn mit diesem Ghetto voller nacktarschiger Drag Queens zu tun…? Und was sagt denn dein Freund dazu?“ Seine Cousine hat sich kaputt gelacht.

 “Hast du Ghetto gesagt? Ha ha ha ha! Lieber Cousin, die Maspalomas Pride ist eine der größten Partys auf den Kanarischen Inseln! Gute Musik, kostenlose Shows, eine Superstimmung und Menschen aller möglichen Altersstufen und Geschmacksrichtungen…! Hast du etwa so etwas schon mal gesehen: 100.000 Menschen, die gemeinsam trinken und tanzen, ohne dass es die geringsten Zwischenfälle oder Schlägereien gibt? Genau deswegen finden wir das nämlich so toll! Und klar gibt es da auch Drag Queens! Wie bei so vielen anderen kanarischen Strassenfesten auch. Nun stell dich nicht so an und komm doch einfach mit. Du wirst Bauklötze staunen, Junge!”

Carrozas en la Cabalgata Gay Pride Maspalomas 2014

Pedro meinte “nee”… dann zögerte er doch… und eine Stunde später folgte er der Einladung einer Gruppe von lesbischen Freundinnen seiner Cousine und stieg auf einen Festwagen der Maspalomas-Pride-Parade.

„Und du? Seit wann hast du denn lesbische Freundinnen?“, frage er verdutzt.

Ha ha ha! Ach, ihr Festlandspanier ihr! Auf den Kanaren suchen wir uns nicht unsere Freundschaften aus, je nachdem ob sie lieber Fleisch oder Fisch mögen. Guck mal Pedro, wir hatten schon 30 Jahre lang Gay-Tourismus bei uns gehabt, als jemand auf dem Kontinent mit dem Ausdruck „gay-friendly“ angekommen ist. Auf dieser Insel erregt der Anblick von zwei Hand in Hand gehenden Jungs schon lange kein Aufsehen mehr und nach einer pinkfarbenen Perücke dreht sich bei uns schon lange niemand mehr um. Wir finden es einfach lustig. Also, vergiß die Clichés, lass dich treiben und SEI DU SELBER. Du wirst viel mehr Spaß daran haben! Seine Cousine zwinkerte ihm zu. Sie ahnte sicherlich schon etwas.  

Pedro wurde nachdenklich… bis der DJ einen Remix von “Rise Like a Phoenix” mixte. Alle Menschen rissen die Arme hoch, ihre Gläser bis zum Rand voll und alle auf dem Wagen sangen Zeile für Zeile zusammen mit der Menschenmenge auf der Strasse. Pedro schaute sich verwundert um. Es gab Gays und Lesben zwischen 15 und 80 Jahren und auch reichlich viele Hetero-Paare, Familien mit Kindern, Teenie-Gangs, eine Gruppe von über 100 Rentnern… und natürlich auch Touristen aus aller Herren Länder, Residenten und Arbeiter… Und natürlich auch ziemlich viele Kostüme, pinkfarbene Perücken und blanke Hintern.  Alle möglichen Gestalten, von stinknormal bis höchst skurril. Ja, und? Pedro begann zu verstehen. Auf einer Insel ist nicht gerade viel Platz, wo man sich verstecken kann. Die Kanarier sind an Vielseitigkeit gewöhnt. Die Maspalomas Pride ist lediglich ihre allergrößte Fete. Und was die Besucher anbelangt… sie möchten nur eine Woche lang SIE SELBER SEIN, 24 Stunden am Tag, ohne Grenzen und ohne weitere Regeln, sich nur unter der Sonne amüsieren, um mit neu aufgeladenen Batterien nach Hause zurück zu fliegen. Und ob sie sich amüsierten! Nachdem er sich bei seiner Cousine für den Ratschlag bedankt hatte, fiel ihm ein überaus hübscher Junge auf, der neben dem Festwagen stand. Auf seinem neonfarbigen T-Shirt konnte man lesen: “Lo que pase en Gran Canaria se queda en Gran Canaria” (was auf Gran Canaria geschieht, bleibt auf Gran Canaria). Einerseits, verstand er die Andeutung sehr wohl, aber andererseits… ertappte er sich dabei, wie er sich wünschte, “es gäbe mehr solche Orte auf der Welt“.

Fiesta de la espuma - CC Yumbo

Am nächsten Abend, nahmen ihn seine neuen Freunde zu einer großen Party auf den  Plaza des Yumbo mit. Hunderte von jungen halbnackten Menschen aus ganz Europa wurden auf „Befehl“ eines übermenschlichen DJ von mehreren Tausend Watt durchgerüttelt. Seine vier Artilleristen schossen Millionen Liter Schaum ab, die die Leiber seiner Treugesinnten streichelten, während sie die gleiche Energie und den gleichen Rhythmus erlebten. Pedro und ich lernten uns dort kennen, zwischen Luftblasenwolken, die unseren allerersten Kuss verhüllten. Dann, bei Einbruch der Abenddämmerung, erzählte Pedro mir seine Geschichte bei zwei Kokosnuss-Mojitos und dem Blick aufs Meer. Etwas in ihm hatte sich verändert. Er war jetzt vielleicht nicht unbedingt stolzer, aber er fühlte sich wohler. Die Kanarischen Inseln hatten ihn verwandelt.

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